Mohn's Update vom
Heimat der Guten - Back Journal
Wenn sich Unternehmensberater in der Branche den idealen Kunden backen könnten, käme vielleicht so
etwas wie die Mohn AG aus Sulgen in der Schweiz heraus. Nicht, weil es in dem Betrieb mit acht Standorten viel
zu verbessern gäbe, eigentlich ist nämlich hier alles tip top: die Produkte genial. Backstube blitzeblank und auf dem neuesten Stand. Umsätze in den Läden weit über dem Branchendurchschnitt.
Außerdem Mitarbeiter, für die Lorena und Roger Mohn von vielen Kollegen beneidet werden. Einen „Makel“ hätten die
Berater allerdings schnell ausgemacht: Mit ein paar Optimierungen und Rationalisierungen könnte der Bäcker nicht nur wie
zurzeit gutes, sondern so richtig viel Geld verdienen. Natürlich sieht die Präsentation im Hauptgeschäft auch bei starkem Andrang noch perfekt aus, aber wenn man unbedingt wollte, ließe sich hier sicher eine Kraft einsparen. Über die mehrmalige Belieferung (bis zu fünfmal am Tag) und die damit verbundene Frische freuen sich sicher die Kunden, aber wie viele Kollegen zeigen, kann man mit einer Tour auch über die Runden kommen.
Und zugegebenermaßen kommt an das selbstgemachte Mohn-Salatdressing kein Fertigprodukt heran, aber auf der
anderen Seite gibt es hier doch ganz ordentliche Angebote der Industrie, mit denen sich der Personaleinsatz sicher reduzieren ließe. Die Aufstellung ließe sich noch beliebig verlängern, so dürfte aber klar geworden sein: Mohn gehört zu den Betrieben des Handwerks, die zumindest kurzfristig mehr Geld verdienen könnten, wenn sie denn wollten. Lorena und Roger Mohn wollen aber nicht. Zum Teil sicher aus Menschenfreundlichkeit und Liebe zum Produkt. Zum Teil aber aus ganz nüchterner Analyse des eigenen Marktes. In und um Sulgen sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht. Es gibt hier nur ganz wenige Standorte, die als Selbstläufer einzustufen sind. Den Kunden muss man etwas bieten, damit sie nicht beim LEH oder gleich jenseits der Grenze bei den billigen Vettern in Deutschland einkaufen. Neben der Produktqualität spielen hier die Mitarbeiter eine ganz entscheidende Rolle und die gut auszubilden und an den Betrieb zu binden kostet nun einmal. Punkt. Betriebswirtschaftlich geht die Sache deshalb auf, weil sich Mohn zwar unbestritten hohe Personalkosten gönnt, das aber auf der anderen Seite durch eine niedrige Mietquote kompensieren kann. Der Betrieb erinnert uns hier an einen sehr guten deutschen Bäcker, dessen sympathischen Grundsatz „Ich gebe das Geld lieber meinen Bäckern und Verkäuferinnen als den Vermietern“ wir uns gemerkt haben.